
Fragestellungen des Projektes VesPEr
Wie hängen Vertrauen, Umgangskultur und gemeinsamer Gestaltungswille zusammen? Dies ist eine der zentralen Fragestellungen des Projektes VesPEr – Vertrauen als soziotechnischer Faktor in der Praxis der Endlagerung radioaktiver Abfälle.
Die drei Aspekte hängen dabei wechselseitig voneinander ab: Ohne Vertrauen entstehen weder eine gute Umgangskultur noch eine gute gemeinsame Gestaltungslösung. Die Umgangskultur ist der Indikator dafür, ob genügend psychologische Sicherheit für eine Vertrauensbasis und Potenzial für eine gemeinsame Gestaltung vorhanden sind. Gemeinsamer Gestaltungswille (soziales Co-Design) ist schließlich eine wichtige Voraussetzung für eine nachhaltige, stabile und konfliktfreie Gestaltung von Systemen, wie sie für eine sichere Lagerung radioaktiver Abfälle erforderlich ist. Dieses Wechselspiel ist insbesondere für die Standortauswahl von besonderer Bedeutung, denn hierzu müssen unterschiedlichste Akteure und Betroffene zu einer gemeinsamen, tragfähigen und nachhaltigen Gestaltungslösung kommen.
VesPEr hat sich zum Ziel gesetzt, die Wirkmechanismen dieser zentralen Konstrukte wissenschaftlich zu untersuchen und Empfehlungen zum Umgang mit den gefundenen Systematiken zu geben. Dabei werden die Konzepte des Co-Designs nicht nur für den sozialen Umgang miteinander adressiert, sondern auch für das gemeinsame Erarbeiten des Umgangs mit geologischen und radiologischen Sachverhalten. Ziele von VesPEr sind:
- Entwicklung von Empfehlungen für ein soziales Co-Design und eine sichere Umgangskultur in der Übergangsphase eines Transformationsprozesses einer Region sowie Entwicklung eines auf den Prinzipien der Transdisziplinarität und des sozialen Co-Designs basierenden Ansatzes, der Vertrauen und eine hohe Fehler- und Sicherheitskultur schafft.
- Untersuchung der Möglichkeiten des Vertrauensaufbaus mit multimedialer Unterstützung. Entwicklung von Empfehlungen, wie immersive Technologien wie virtuelle Räume oder ein Endlager-Erlebnislabor genutzt werden können, um ein Co-Design sinnvoll zu unterstützen und gegenseitiges Vertrauen zu fördern.
- Entwicklung von Methoden, mit denen sich die komplexe Multi-Akteurs-Landschaft der Endlagersuche hinsichtlich der Fehler- und Sicherheitskultur unter Berücksichtigung von Wechselwirkungen erfassen lässt, sodass Vertrauen und soziales Co-Design ermöglicht werden.
Das Forschungsprojekt wird von der Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) im Forschungsfeld 5 „Wechselwirkung Mensch-Technik-Organisation, Endlagerung im transdisziplinären Kontext – Thema: Soziotechnische Faktoren bei der Endlagersuche“ gefördert.